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APRS oder nicht? - Druckversion

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APRS oder nicht? - dl8ro - 19.01.2017

Sie schießen wie Pilze aus der Erde, die Pseudo-APRS-Stationen.

DMR, D-Star, Smartphon, Raspberry und andere heilbringende Technik macht es möglich.
Und nun ist man mit D-Star, dem Telefon über TCPIP oder mit einem Raspberry als Solo-Gateway in "APRS" QRV   - glaubt man zumindest....
Die Freude ist groß, wenn man sich in APRS.fi sehen kann und stolz ist man vermutlich auch.

Das das aber kein APRS ist können die Wenigsten einschätzen.
Wenn eine "richtige" APRS-Station mit Funkgerät unterwegs ist, sieht sie diese Pseudo-APRS-Stationen gar nicht!
Und umgekehrt, eine D-Star/DMR-Station sieht natürlich auch nicht, was echte APRS-Stationen auf ihrem Display sehen können.
Der Sinn des APRS-Systems wird auf den Kopf gestellt.

Ein Digipeater mit Gatewayfunktion macht natürlich Sinn, zusätzlich 10 Gateways ohne Digipeater im Umkreis von 10 km sind Unsinn (Großsstadteffekt).
Dieser Gateway-Hype hat zudem noch den unangenehmen Nebeneffekt, daß mancher Diigi verschwindet - wozu Digi, man sieht sich ja bei aprs.fi!
Fehlende Digis aber führen dazu, dass das Interesse echtes APRS über HF im Fahrzeug oder im Handfunksprechgerät auszuwerten schwindet.

Darüber sollte man nachdenken und die Infrastruktur mit Digipeatern statt mit Gateways  aufrüsten.
Da helfen auch WIDE1-1 Digis und Digis im heimischen Shack, die nicht 24 Stunden laufen, aber eingeschaltet sind, wenn der OM zu Hause ist (spart das Anmelden einer automatischen Station und kostet nichts).
Wichtig ist dabei, die eigenen Bakenaussendungen nur in großen Abständen zu konfigurieren, man muss nicht jede Minute seinen (festen) Standort aussenden.

Das Netz wird es danken.   


73 de Uli, DL8RO
SYSOP der APRS-Digis DM0DM, DB0BLO, DB0BAR, DB0LOS, DB0FFO, DB0WOL


RE: APRS oder nicht? - DL3DCW - 18.02.2017

Hallo Uli,

passend zum Thema möchte ich mal kurz beschreiben wie wir das hier in unserer Region umgesetzt haben. Vielleicht kann das ein wenig als Anregung dienen. Und natürlich gerne auch als Diskussionsgrundlage benutzt werden:

Gateway: Wir betreiben ein zentrales Gateway mit Digipeater-Funktion an einem relativ guten Standort. Aufgrund unserer Topografie (viele tiefe Täler) kommt am Empfänger aber meist nur Datenmüll an (Kollisionen). Damit wird der Standort hauptsächlich zum TX-Gateway. Es werden also überwiegend Pakete ausgesendet die über das Netzwerk hereinkommen. Dazu sind entsprechende Filter gesetzt.

Digipeater: Das oben beschriebene Gateway wird von zwei kleineren Digipeatern (ohne jegliche Netzwerkanbindung) unterstützt. 

RX-Gateways: Davon haben wir ganz viele (siehe hier). Diese wirken als die eigentlichen Empfänger für unser TX-Gateway. Damit werden die Täler sehr gut und weitgehend kollisionfrei abgedeckt. Zudem werden dadurch auch kleinere APRS-Stationen (wie z.B. das PicoAPRS) recht gut gehört.

Raspberrys: Dies sind zum einen die RX-Gateways zum anderen Teil meist SvxLink-Systeme. Unsere lokalen FM-Relais machen damit über das APRS-System ihre Betriebsparameter (Frequenz, Ablage, Tonruf, CTCSS etc.) bekannt. Dies ist hauptsächlich für die mobilen Stationen gedacht. Ein Tastendruck (QSY-Funktion) und das Funkgerät schaltet sofort auf den gewünschten Repeater.

Vernetzung: Alle oben genannten Systeme sind fast ausschließlich über schnelle Richtfunkstrecken (HAMNET) mit unserem zentralen APRS-Server verbunden. Wir kommen damit also fast völlig ohne Internetverbindungen aus. Es gibt lediglich einen einzigen Uplink zum APRS-IS. Dies aber nur als "Gimmick" um auch die Dienste bei aprs.fi etc. nutzen zu können. Für die eigentliche Funktion benötigen wir das nicht. Die Verbindung ins Internet könnte also ohne negative Auswirkungen gekappt werden.

Genau wie die APRS-Systeme sind übrigens auch die meisten unserer lokalen FM-Relais über HAMNET-Richtfunkstrecken miteinander vernetzt (siehe hier). Auch dafür werden weder Internetverbindungen noch irgendwelche Internet-Infrastuktur eingesetzt. Das alles läuft also völlig eigenständig.

Für die Umsetzung haben wir einige Jahre gebraucht und auch viel Arbeit und Geld hereingesteckt. Inzwischen sind daraus mehr als zehn Standorte entstanden. Insgesamt wurden über 40 HAMNET-Antennen sowie die entsprechenden Router etc. installiert. Eine Menge Aufwand - per Internet wäre das natürlich viel einfacher. Man muss dafür also schon ganz schön verrückt sein, hi. Aber wird sind halt FUNKamateure. Und auch ein klein wenig stolz darauf ...

Schönen Gruß
Frank, DL3DCW